Umgang mit dem Straßennamen von-Helms-Straße

11.05.2021

Kritische Auseinandersetzung mit NS-Verbrechen in Tornesch anstatt Tilgung von Geschichte

Die Diskussion um die Umbenennung der Tornescher von-Helms-Straße steht exemplarisch für das schwerwiegende Erbe, mit dem sich Kommunalpolitik bundesweit regelmäßig konfrontiert sieht. Sollten Straßen nach Personen gewidmet bleiben, die im Nationalsozialismus politisch gewirkt haben? Unbestritten ist, dass dies im Einklang mit der deutschen Erinnerungskultur geschehen muss. Die Verurteilung nationalsozialistischer Verbrechen muss dabei jederzeit im Vordergrund stehen.

Die Tornescher Christdemokraten haben sich in mehreren Sitzungen intensiv mit der Frage beschäftigt, ob der Name der von-Helms-Straße zu ändern ist, wie es zwei Anwohnerinnen fordern. Die neuesten Erkenntnisse, die aus den vom zuständigen Ausschuss beauftragten Recherchen gewonnen wurden, zeigen: Bürgermeister a.D. Johannes von Helms hat sich nicht klar gegen das NS-Regime gestellt und dieses zumindest toleriert. Nach einem lebhaften Gedankenaustausch führten am Ende vor allem die geschichtspolitischen Argumente zu dem Ergebnis, dass der Straßenname von-Helms-Straße, in seinen historischen Kontext gesetzt, erhalten bleiben sollte.

In der Tilgung des Namens aus dem Tornescher Straßenbild sähen die Christdemokraten eine Form der Geschichtsverdrängung. Dies trüge nicht dazu bei, aus der Geschichte zu lernen. Die Umbenennung beeinträchtige die Erinnerungskultur hinsichtlich der unmenschlichen Verbrechen des Nationalsozialismus. Das führe in letzter Konsequenz zu einer einseitigen Geschichtsbetrachtung.

Der Nationalsozialismus ist zweifelsfrei die dunkelste Stunde der deutschen Geschichte. Auch in Tornesch haben Hass und Antisemitismus ihr grässliches Gesicht gezeigt. Aus Sicht der Christdemokraten sollten jedoch auch diese Aspekte nicht ausgeblendet, sondern als Teil deutscher Geschichte kritisch bewertet werden. Die Umbenennung der Straße stellt für die CDU somit einen Eingriff in das kollektive Gedächtnis der Stadt dar. Eine kritische Auseinandersetzung mit unserer Geschichte würde verhindert, ihr düsterstes Kapitel in Vergessenheit geraten.

Bei einem zukünftigen Besuch der Straße soll eben nicht dem Namensgeber gedacht, sondern dessen Wirken, gerade aufgrund der neuesten Erkenntnisse, unmittelbar in den geschichtlichen Kontext eingeordnet werden. Hierzu fordert die CDU Erinnerungstafeln an allen Straßeneingängen der von-Helms-Straße aufzustellen, die die Person Johannes von Helms in ihrem vollen Wirken und ihrer Funktion in Tornesch aufzeigen. Diese Tafeln sollen der Tornescher Erinnerungskultur dienen und die kritische Auseinandersetzung der Tornescher mit dem Nationalsozialismus fördern.

Es soll zudem geprüft werden, ob ein sog. Stolperstein für die nachweislich geschädigte Frau Anna Jacoby im Pastorendamm gesetzt werden kann. Die Kosten würden durch private Spenden von Mitgliedern der CDU gedeckt.

In der Folge hat die CDU Tornesch entschieden, sich für den Erhalt des Straßennamens von-Helms-Straße auszusprechen. Sie möchte mit Informationstafeln und einem Stolperstein für die Tornescher Geschichte in all ihren Facetten sensibilisieren.